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die zehn finalisten des 1/award by pilsner urquell 2009
die gewinner STEHEN FEST
Am 28.10.2009 fand um 16 Uhr die offizielle Preisverleihung statt. Im Rahmen der Kunstmesse ART.FAIR 21 kürte Pilsner Urquell das >>New Talent of the Year 2009<<.
Als Potemkinsches Dorf wird etwas bezeichnet, das fein herausgeputzt
wird, um den tatsächlichen, verheerenden Zustand zu verbergen.
Oberflächlich wirkt es ausgearbeitet und beeindruckend, es fehlt ihm
aber an Substanz (Wikipedia).
Eine wie oben beschriebene Oberfläche birgt den Reiz des Verborgenen.
Sie verweist in ihrer Eigenschaft als Hülle auf ein Dahinter. Dabei
tritt sie selbst in den Vordergrund. Der Betrachter ist aufgefordert
zwischen Realbild und Vorstellung zu switchen.
Das Bild zeigt das Aufeinandertreffen der französischen Polizei und der Gegner des NATO-Gipfels am Vormittag des 4.4.2009 in Straßburg. Die Vorgehensweise der Polizisten mit Tränengas und den darauf folgenden Gummigeschossen gegenüber den friedlichen Demonstranten und der Presse wird Anlass für die daraus resultierende Panik und die gewaltsamen Auseinandersetzungen im Laufe des ganzen Tages.
Die Aufnahme beschreibt den Augenblick des Nullpunktes: Im Nebel des CS-Gases verharren, präventiv mit Skimasken und einfachen Schals geschützt, die Demonstranten, die den öffentlichen Raum nicht widerstandslos räumen wollen.
Während sich der Nebel des Staatsapparats lichtet, grenzen und fordern die Verhüllten mit der reinen körperlichen Präsenz ihr Demonstrationsrecht ein. Zum ersten Mal fühlte ich mich nicht nur als Beobachter, sondern wurde zu einem Teil des Geschehens: schöne Aussicht!
Am Nordpolarmeer, in einem
Fjord, Plattenbauten und Industrieanlagen: Murmansk, eine Hafenstadt. Nur
wenige Wochen Sommer, dafür weiße Nächte. Der Winter kalt und dunkel.
Von vielen Orten in
Russland geht eine eigentümliche Melancholie aus, die ich in meiner Foto-Serie утопать visualisiere. Dabei
liegt mein Fokus auf scheinbar nebensächlichen Momenten und alltäglichen
Situationen. Die Fotos sind alle auf Spaziergängen durch verschiedene Orte in
Russland entstanden und die Serie wird ständig erweitert. Das Foto
"Garage.grün" ist bei einem solchen Spaziergang durch Murmansk
entstanden.
Ein kühler, leicht verregneter Tag im Februar in Heidelberg - es ist
weder Winter noch Frühling - wie so oft zu dieser Zeit. Im Stadtteil
Bergheim zeigt sich innenstadtnah der raue Charme der 60er Jahre.
Obwohl ich regelmäßig hier bin, fällt mir erst heute dieser an einer
Brüstung angebrachte Schriftzug auf: 'Haus der Schönheit' wird hier
selbtbewusst verkündet.
Und die Erkenntnis, dass Schönheit selten ein dauerhafter Zustand ist,
drängt sich auf. Nach einer etwas längeren Verweildauer lässt sich aber
die leise Besonderheit des Ortes spüren. Diese Botschaft war wohl
Jahrzehnte lang verstummt und meldet sich gerade ein letztes Mal zu
Wort - ich hatte etwas entdeckt, was Anderen schon seit langem
verborgen war. Schönheit kommt und geht - sie lässt sich zwar
fotografieren, aber nie festhalten.
Welche Schönheit hier ursprünglich gemeint war, konnte ich nicht mehr
herausfinden. Offensichtlich war der Eigentümer der Meinung, dass sie
endgültig verloren gegangen ist - wenige Wochen später war der
Schriftzug verschwunden.
An diesem Tag war ich in München zu einer Street-Photo-Tour unterwegs,
aber es lief nicht richtig rund. Ich war in einer mir unbekannten
Gegend, wenige Leute auf der Straße, und meine Laune sank auf den
Tiefpunkt. Ich machte mich auf den Heimweg, verirrte mich aber ins mir
ebenfalls unbekannte Hasenbergl.
Plötzlich leuchtete es am Horizont in den schrillsten Farben - so stieß
ich auf das Mira Einkaufszentrum mit seiner bunten Fassade, die ein
perfekter Hintergrund für ein Foto zu sein schien. Ich musste nicht
lange warten, bis eine Mutter mit Kind vorbeikam. Als die Tochter -
trotz Sonnenschein - ihren ebenso bunten Regenschirm öffnete, konnte
ich mein Glück kaum fassen.
So entstand dieses Foto. Es ist für mich ein Zeichen, wie sich ein
scheinbarer Fehlschlag noch zum Guten wenden kann. Die folgende Stunde
beinhaltete einen malerischen Wolkenhimmel, ein Lama mitten in der
Stadt, eine Gondel auf einer Wiese und eine vollgeknipste Karte - oh
happy day!
Ich war auf einem Streifzug durch die Neustadt von Dresden, um
prägnante Charaktere auf der Straße zu fotografieren. In der Fülle von
Graffiti-Tags fiel mir dieser Satz an einer Hauswand auf. Ich
überlegte, wie ich ihn am besten in Szene setzen konnte und
positionierte mich auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwischen
zwei parkenden Autos. Dann die EOS 3 mit 70-200 mm Objektiv auf das
Stativ geschraubt, den Ausschnitt gewählt (Anonymität durch harten
Anschnitt) und die Belichtung eingestellt (auf Graukarte). Dann musste
ich warten, um im entscheidenden Augenblick auszulösen. Problem dabei
waren die vorbeifahrenden Autos, die die Sicht auf das Motiv immer
wieder kurzzeitig verdeckten.
Das Bild hat für mich eine starke Aussage und könnte überall auf der Welt gemacht worden sein.
Dieses im Sommer 2007 in Frankreich nahe Le Mans entstandene Foto ist
im Ursprung nicht inszeniert. Als ich die Kreuzung sah, musste ich
lediglich Standpunkt, Ausschnitt und Belichtung festlegen.
Obwohl die Kreuzung von Menschenhand erschaffen wurde und
ausschließlich von Menschen und ihren Fahrzeugen genutzt wird,
faszinierte mich die Kreuzung ohne „menschliche Beteiligung“.
Allein durch die gewählte Perspektive und Flächenanordnung entsteht
eine zugleich dynamische als auch eine ruhend ausgewogene Abzweigung
für immer wiederkehrende Menschen und ihre Fahrzeuge.
Bei meinen Fotos versuche ich, die Dinge in einer für das Auge ausgewogenen Form auf das Wesentliche zu reduzieren.
Hektisch. Betriebsam. Eilig. Im Vorbeigehen. Nicht greifbar. Unerkannt: Mensch!
Dieses Bild zeigt Menschen, wie sie in der heutigen Zeit überall anzutreffen sind - in Gedanken beim nächsten Termin, keine Zeit für ein Gespräch.
Menschen, Schatten ihrer selbst!
Der Zufall führte mich zur Mittagszeit an diesen Ort in der Warschauer
Innenstadt. Als ich die genialen Lichtverhältnisse erkannte, wählte ich
als Aufnahmestandort eine Brücke, etwa ein Stockwerk oberhalb der
Lauffläche. So war es mir möglich, diese Licht/Schatten-Aufnahme auf
meiner Speicherkarte zu verewigen.
Im März 2007 reiste ich durch Serbien und verbrachte einige
Tage in Belgrad. Stundenlang wanderte ich durch die Stadt, betrachtete Menschen
und Architektur. An einem Tag hatte ich das Glück, den beiden Frauen im
Pelzmantel zu begegnen. Ich sprach die beiden sofort an und bat darum, ein Foto
machen zu dürfen. Sie waren so eigentümlich, so merkwürdig. Bei der Betrachtung
des Bildes frage ich mich oft, wie die beiden zueinander stehen. Sind sie
Zwillinge? Oder Freundinnen? Teilen sie alles miteinander? Lieben sie sich?
Haben die Plüschtiere eine freundschaftliche Bedeutung? Was tragen sie in den
Taschen? Die Felle sind dick genug, einen ganzen Haufen an Geheimnissen zu
verbergen.
Frisch morgens los geradelt auf schleswig-hohlsteinischen
Hohl- und Feldwegen. Oft von Bauernburschen in aufgemotzten Volkswagen,
haarsträubend geschnitten, überholt. Nachmittags ohne Plan mit Hunger Richtung
Dorfkirche gefahren, hoffend auf Zivilisation und Würstchen. Dann an
schizophrenem Weghinweis angelangt, erstaunt, empört, pikiert.
Auf dem quietschenden Hinterreifen frotzelnd gewendet, geflüchtet, geschwitzt und doch gefahren. Letztendlich aus dem Irgendwo im Irgendwo und doch angekommen, gefreut, geduscht, gegessen und eingeschlafen.
NIE WIEDER NORDDEUTSCH Rad gefahren seit diesem Zeitpunkt. Fahrrad nicht mehr gesehen und wenn, dann nicht mehr erkannt.
Geknipst von mir mit einer spottbilligen Kamera auf dem bicycletten Wendepunkt meiner einst viel versprechenden Sportlerkarriere in diesem Sommer.
>>6ausX<< - die ZWEITE staffel - Einreichzeitraum 1. bis 17. Mai 2009
Die in diesem Jahr zum zweiten Mal getroffene Auswahl aus aktuellen
Einreichungen läuft im Wettbewerb um den Titel des 1/AWARD und die
Teilnahme an der großen Herbstausstellung auf der Kunstmesse ART.FAIR
21 in Köln, außer Konkurrenz.
Sonntag, 22.Februar 2009, 19:20 Uhr - S-Bahnhof Berlin Südkreuz
Wir hatten uns nie zuvor gesehen,
wir sprachen kein Wort.
Ein Druck auf den Auslöser,
kurz darauf ein Klicken,
unsere Beziehung scheint beendet.
Er weiß nichts von dem Bild.
Ich habe mir das Bild oft angesehen,
viele Fragen, die ich im Anschluss hatte,
bleiben unbeantwortet.
Damals war er nur ein Passant, ein Bild.
Ich hatte meinen Weg, er hatte seinen Weg.
Heute frage ich mich wer er war?
Manchmal frage ich mich warum er da war?
Ich besuchte eine Freundin, und er?
Koexistenz entstand im Juni 2008 auf der Kölner Domplatte, einem Ort der lebendigen Begegnung von jung und alt. International, generationen-übergreifend, belebt von Einheimischen, Durchreisenden und Touristen ist dieser Platz in Köln. Das Bild beschreibt einen historischen Ort im Angesicht der Jugend. Die Geschichte wacht über die Gegenwart und blickt auf die Zukunft.
Das Foto wurde im August 2006 in San Francisco aufgenommen. Ich befand mich ebenfalls, als Beifahrerin, in einem Auto und hatte an einer roten Ampel die Gelegenheit, dieses Foto zu machen. Es war ein heißer, sonniger Sommertag…
Ein Schüler, der nach seinem Unterricht Zuckerwatte verkauft, um seine Familie finanziell zu unterstützen. Das Bild entstand letztes Jahr in der Türkei in Ostanatolien in der Stadt Agri. Die Stadt liegt an der östlichsten Grenze der Türkei, an der Grenze zu Armenien. Das Foto gehört zur Dokumentation meiner Reise, bei der ich alle sieben Regionen der Türkei bereiste. Die Fotografien habe ich für das Lehmbruck Museum Duisburg im Rahmen der Duisburger Akzente "Bosphorus" mit einer anderen Künstlerin ausgestellt. Die Reise wurde mir durch ein Stipendium der Kulturstiftung des Landes NRW ermöglicht.
Kinder in der Altstadt von Jasd (Yazd), Iran. Irgendwo zwischen kindlicher Unbeschwertheit, kreischender Begeisterung und einer Zukunft, deren personifiziertes Abbild gerade an ihnen vorbeigelaufen ist und durch das Tor in eine unbekannte Gasse läuft.
Dieses Foto entstand im März 2008 in New York. New York war die erste Station meiner halbjährigen Weltreise. Zu dieser Zeit liefen die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in Beijing auf Hochtouren. Die Tibeter nutzen diesen Anlass, um die Öffentlichkeit auf ihre Lage aufmerksam zu machen. In vielen Städten der Welt demonstrierten sie gegen China und für ihre Unabhängigkeit. Während meiner Zeit in New York habe ich zwei Demonstrationen der Tibeter mitbekommen. Eine vor der chinesischen Botschaft, die andere, bei der auch dieses Foto entstand, vor dem New Yorker UN-Gebäude. Meine Wahl viel in dieser Situation auf ein Fisheye-Objektiv, um die unmittelbare Nähe am Geschehen wiederzugeben. Die Unschärfen im Randbereich (bedingt durch das Fisheye) ziehen die Blicke des Betrachters auf die Bildmitte, wodurch die Symmetrie und die Anordnung der Polizeipferde besser zur Geltung kommen.
>>6ausX<< - die erste staffel - einreichzeitraum 1. bis 25. März 2009
Während meiner dreimonatigen Fotoreise durch Argentinien verbrachte ich insgesamt drei Wochen in den geräuschvollen, betriebsamen Straßen von Buenos Aires. Auf einem meiner abendlichen Streifzüge passierte ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Oper und sah zwei Porteños (Eigenbezeichnung der Hauptstädter) diskutierend vor einem Opernplakat stehen, von denen der mir Zugewandte just in dem Moment die Hände passend zum Hintergrund gestikulierend in den Himmel hob. Ich riss die Kamera samt 300mm Zoom trotz Dunkelheit und Entfernung hoch und hoffte auf eine Wiederholung der Geste – und wurde prompt belohnt. Gleiche Gesten im Vorder- und Hintergrund und doch zwei gänzlich verschiedene Bedeutungen: Das Plakat lädt ein, sagt herzlich willkommen, hier sind wir. Der Redner im Vordergrund hingegen ist hilflos und fragt mit seiner Pose „Was soll ich tun?“. Aufgrund der notwendigen schnellen Ausführung musste ich den Bildausschnitt nachträglich zum Quadrat korrigieren, was das Motiv aber durchaus abrundet.
Hektisch. Betriebsam. Eilig. Im Vorbeigehen. Nicht greifbar. Unerkannt: Mensch!
Der Zufall führte mich zur Mittagszeit an diesen Ort in der Warschauer Innenstadt. Als ich die genialen Lichtverhältnisse erkannte, wählte ich als Aufnahmestandort eine Brücke etwa ein Stockwerk oberhalb der Lauffläche. So war es mir vergönnt, diese Licht/Schatten-Aufnahme auf meiner Speicherkarte zu verewigen.
Peter Wollen schreibt: „Fotografie erscheint als Vorrichtung, um die Zeit anzuhalten und Bruchstücke aus der Vergangenheit, wie Fliegen im Bernstein, aufzubewahren.“ Meine Street-Fotografie spielt mit dieser Fragmentierung der Realität in doppelter Hinsicht: Sie hält nicht nur die Zeit an und fixiert einen kleinen Ausschnitt aus der Vergangenheit – sie zerlegt diesen gleichzeitig auch in tausendfache, rissige Einzelteile (die einer gesprungenen Fensterscheibe zu verdanken sind). Im übertragenen Sinne funktioniert meine Fotografie als Sinnbild für die zersprungene menschliche Hoffnung, Vergangenheit – und sei’s auch nur einen kleinen Moment – dauerhaft zu konservieren. Darüber hinaus spielt sie mit der Irritation des Betrachters, der die Authentizität des Bildes aufgrund seiner bizarren Ästhetik bezweifeln muss.
Aber was letztlich übrig bleibt, wenn man des ganzen Interpretationsdrangs überdrüssig wird – und das ist ja das Entscheidende hier – ist pure Street Photography: frei von Inszenierung, Gestelltheit und Drehbuch. Lediglich zur rechten Zeit am rechten Ort gemacht.
Als ich in im Sommer 2008 in Köln unterwegs war und über die Domplatte Richtung Bahnhof schlenderte, nutzte ich die Gelegenheit noch schnell ein Erinnerungsfoto an den Kölner Dom zu schießen.
Über das „Kölner-Dom-Erinnerungsposing“ dieser jungen Leute kam ich zu einem Foto, dass meine eigene Erinnerung an den Dom höher hält, als es zahlreiche „echte Domfotos“ tun.
Das Foto "Mittagspause" entstand im Februar 2008 in Kapstadt, Südafrika während einer Reise im Rahmen meiner Ausbildung zum Fotografen. Das Foto zeigt eine Gruppe Bauarbeiter, die eine Pause im Schatten der glühenden Mittagshitze machen.
Fotografiert habe ich mit einer analogen Canon auf Diafilm von einem Balkon im 6. Stock. Mir bot sich zwar nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Alltag dieser Männer, aber in diesem Moment hatte ich das Gefühl einen Einblick in ihr Leben zu bekommen. Besonders interessant empfand ich die anrückende Sonne, die den ersten Bauarbeiter schon wieder eingeholt hat und darauf schließen lässt, dass die brütende Sonne sie bald alle in den harten Alltag zurückholen wird.
Man sieht nur ein Foto, aber im Kopf entsteht eine Geschichte.